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Hier finden Sie archivierte Fotos und Digests der Vorträge vom Jahreskongress 2009.

„Das energieeffiziente Rechenzentrum“

Robert Mayer
IT Director
Fujitsu Technology Solutions GmbH

Die Umsetzung der Green-IT Initiative bei Fujitsu-Siemens – ein Erfahrungsbericht

Strom sparen ist im privaten Umfeld normalerweise ein sehr profanes Thema: Der typische Konsument wird sich ein paar Energiesparlampen bestellen und beim Kauf von Neugeräten etwas kritischer auf deren Stromverbrauch achten.

Im Kontext der Business-IT sieht es ganz anders aus: Nachdem das Thema viele Jahre lang praktisch keine Rolle spielte, wurde „Green IT“ im letzten Jahr vom Mainstream entdeckt und binnen kurzer Zeit zum neuen Marketing-Hype. Nicht immer jedoch steht das tatsächliche Engagement eines Unternehmens im Verhältnis zu den süßen Versprechen einer ebenso sauberen wie sparsamen Informationstechnologie.

Fujitsu Technology Solutions hingegen (ehemals Fujitsu-Siemens Computer) beschäftigt sich seit vielen Jahren mit dem Thema Umwelt und kann daher für sich in Anspruch nehmen, „grün aus Tradition“ zu sein.Was das Unternehmen bereits geleistet hat, welche Erkenntnisse dabei gewonnen wurden und welche weiteren Maßnahmen geplant sind, erläuterte Robert Mayer (Director Corporate Datacenter & Workplace bei der Fujitsu Technology Solutions GmbH) in seinem viel beachteten Vortrag.

Avantgarde aus Einsehen

„Ergrünende“ Unternehmen können sich dem politischen Druck beugen (die EU will Mindeststandards für Umweltschutz und Energieverbrauch durchsetzen, die den Verkauf umweltschädigend hergestellter oder energiefressender Produkte verbieten) – oder sich gleich aus besserer unternehmerischer Einsicht für ein proaktives Vorgehen entscheiden. Die Vorgabe von Kai Flore, CFO/CIO Fujitsu Siemens Computers aus dem Jahr 2007 hierzu ist unmissverständlich: „Umweltfreundlichkeit und Energieeffizienz werden mehr und mehr zu Schlüsselanforderungen an die Wirtschaft. Wir setzen in unserem eigenen Unternehmen Maßstäbe.“

mbufDie Zahlen, die Robert Mayer nannte, umreißen die Größenordnung des Problems: Über 50 % aller Rechenzentren sind in punkto Energieeffizienz veraltet, weitere 25 % müssen unter Kosten- und Management-Gesichtspunkten konsolidiert werden. Insgesamt sind also 75 % aller Rechenzentren nicht auf dem neuesten Stand – nur 25 % können in Hinblick auf das Thema Energieeffizienz als „state-of-the-art“ gelten.

First things first

Zunächst waren Rechenzentren damit beschäftigt, sich um den Kühlungs- und Strombedarf der neuen Blade-Server zu kümmern. Ein anderes Problem sind Server, die oft nur eine Auslastungsrate von 10 bis 20 % aufweisen. Best Practices für den Aufbau eines energiesparenden Rechenzentrums sind gefragter denn je.

Mayer votierte für pragmatisches Vorgehen: Wer „grün“ werden und Geld sparen wolle, solle am besten ein Green IT Assessment durchführen – und sich später um eine „grüne“ Zertifizierung bemühen.

Befürchtungen, dass ein konsequentes „Greening“ ruinös sei, erteilte Mayer eine Absage: „Ökologie und Ökonomie können Hand in Hand gehen.“ Er verwies in diesem Zusammenhang auf das langfristige Commitment seines Arbeitgebers in Sachen Umweltschutz – vom Recycling Center für IT-Altgeräte im Jahr 1988 über das erste „grüne“ Mainboard (2002) bis zur Gründung der Projektgruppe Energieeffizienz. Dementsprechend honorierte sogar Greenpace FSC als „greenest IT Infrastructure Provider“.

IT und Facility Management am runden Tisch

Im Anschluss an diese allgemeinen Überlegungen stellte Robert Mayer die Anstrengungen vor, die sowohl in bestehenden als auch neuen Data Centern unternommen werden, um mit weniger Energie mehr zu erreichen. Eine wichtige Erkenntnis: die Zusammenarbeit zwischen IT und Facility Management ist der Schlüssel zu erfolgreichen Energiesparkonzepten. Tägliche Treffen mit dem Facility Manager mögen dabei nicht notwendig sein, aber eine regelmäßige Abstimmung ist es sehr wohl.

Bei den konkreten Maßnahmen ist es nicht eine „silver bullet“, die zum Erfolg führt. Erst die konsequente Anwendung und Abstimmung zahlreicher Maßnahmen (Energiesparlampen, „Licht aus“-Policy, Messgeräten in Stromverteilern, zentrale Klimaanlage mit höchstem Wirkungsgrad, regulierbare Bodenlüftungsplatten, Identifikation von“Wärmenestern” durch Thermografie usw. bringt den gewünschten Erfolg. Mayer verwies darauf, dass es weit anspruchsvoller sei, ein bestehendes Rechenzentrum „grün“ zu bekommen, als es auf der grünen Wiese nach heutigen Standards zu realisieren.

Weitere wichtige Schritte auf dem Weg zu einer ebenso grünen wie wirtschaftlichen IT: die konsequente Konsolidierung der von einem Unternehmen betriebenen Server (Fujitsu setzt dabei konsequent auf Blades), deren Virtualisierung (Application Virtualization) sowie schließlich Infrastructure as a service.

mbufUnd schließlich wurde auch der Workplace konsequent begrünt: Dies umfasst DeskView Energy-Arbeitsplatzrechner, den konsequenten Einsatz von Flachbildschirmen, einen hohen Anteil von Notebooks und Smartphones bis hin zum „Workplace as a service“ und umfangreichen Collaboration-Angeboten, die Reisekosten senken helfen.

Wie bei anderen Vorträgen war auch hier zu hören: „Sie können das nur schaffen, wenn Sie die Mitarbeiter mitnehmen.“ Überdies konnte das ambitionierte Projekt sich der Unterstützung des Top-Managements erfreuen. Robert Mayer: „Es ging nicht darum, ob wir das machen – sondern nur darum, wann.

Von drei auf zwei Millionen kWh – bei 20 % mehr Leistung

Konkreter Lohn für die umfangreichen Anstrengungen: Das Unternehmen konnte seinen Stromverbrauch von drei auf zwei Millionen Kilowatt pro Jahr senken – und das bei gleichzeitiger Steigerung der Leistung um 20 %.

Robert Mayer schloss seinen mit großem Applaus bedachten Vortrag mit einem Klassiker der Popkultur: „Es ist nicht einfach, grün zu sein.“ Gesagt hat das übrigens nicht Joschka Fischer, sondern Kermit der Frosch. Und obwohl der gute Geist der Muppet Show damit sicher Recht hat, wird das grün sein zumindest für den CIO durch die hier vorgestellten Konzepte doch deutlich einfacher.

 

Ergänzende Informationen:
Jahreskongress 2009: Übersicht
Jahreskongress 2009: Fotos