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Hier finden Sie archivierte Fotos und Digests der Vorträge vom Jahreskongress 2009.
„The ‚fuzzy tail‘: Wie entwickelt man ein Suchkonzept?“
Christoph Müller
Geschäftsführender Gesellschafter,
Peaches Industries
Christoph Müller vom Schweizer Unternehmen Peaches Industries widmete sich in seinem abschließenden Vortrag in denkbar unkonventioneller Weise einem Thema, das wohl an keinem IT-nutzenden Menschen vorbeigehen dürfte: Der Suche.
Die „Suche“ (und deren hoffentlich relevantes Ergebnis) reflektiert die gesamte Bandbreite der Benutzererwartung an ein modernes IT-System. Dementsprechend stellt sie oft den Dreh- und Angelpunkt der Akzeptanz einer Portallösung dar.
In seiner launigen und teilweise durchaus selbstironischen Session (Wozu ist ein MacBook gut, wenn nicht für glamouröse Überblendungen zwischen Präsentations-Slides?) lud er die Anwesenden zum Querdenken in Sachen „Suche“ ein, ohne das konkrete Ziel (die Implementierung einer praxisgerechten Suche auf einem SharePoint-Server) aus dem Auge zu verlieren.
Vom ‚Long‘ zum ‚Fuzzy Tail‘
Als Ausgangspunkt für seine Überlegungen wählte Müller das populäre „Long Tail“-Konzept des amerikanischen Autors Chris Anderson, der im gleichnamigen Buch darlegt, wie weniger gesuchte Produkte beziehungsweise Begriffe den Großteil des Geschäfts eines (Informations-)Anbieters ausmachen können.
In einem bemerkenswerten Parforce-Ritt durch das semantische Unterholz einer typischen Suche brachte Müller den anwesenden CIOs – die sich bis dahin vornehmlich mit nüchternen IT-Themen befasst hatten – populäre Konzepte wie Findability, Fuzzy Search, Unlearning, Ontologien, Folksonomien und Taxonomien nahe.
„Man muss nur reden …“
Einmal mehr wurde im Kontext dieses interessanten Themas offensichtlich, dass die verschiedenen Prioritäten, Terminologien und Forderungen der einzelnen Akteure (Entwickler, Business Analyst, Information Architect, Designer …) einer einfachen Lösung entgegen stehen: Wo das Expertentum regiert, ist die anwenderfreundliche Lösung fern.
Der Schweizer Dozent verwies auf die diversen Dilemmata der Beteiligten („Portblocking-Mentalität“, Collaboration vs. Sicherheit, Daten vs. Wissen vs. Verständnis, zentral geführte Taxonomie vs. Anwenderperspektive) und die euphemistisch als „least amount of effort“ bezeichnete Bequemlichkeit des Suchenden: Zugänglichkeit als solche gilt dem gestressten Rechercheur als Qualitätsmerkmal; was nahe liegt, wird gern genommen.
Die Lösung, die Christoph Müller im gegebenen Rahmen zumindest skizzierte, ist selbstverständlich kein „One-size-fits-all“-Konzept, sondern ein Ansatz, der verschiedenen Philosophien Raum lässt: der proaktiven Indexierung populärer Inhalte („Jeder will den Urlaubsplan lesen!“) ebenso wie der Quasi-Selbstorganisation mit Hilfe von Labels und Tags. Am Ende blieb die rhetorische Frage: „Sind wir nicht alle ein bisschen fuzzy?“