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Die Arbeitsumgebung der Zukunft gestalten
19.4.2010 – 10:35 bis 11:20 Uhr – Raum Brighton
Sprecher: Jochen Rapp / Computacenter AG & Co. oHG (Microsoft Partner)
Die Prämissen sind bekannt: Die Betriebskosten von Client-Landschaften auf der einen Seite und die immer höheren Anforderungen aus den Fachabteilungen auf der anderen Seite setzen IT-Verantwortliche zunehmend unter Druck. Wissen und Information erhalten einen immer größeren Stellenwert; Herausforderungen wie globale Vernetzung, Mobilität und flexible Arbeitsmodelle prägen die Arbeitswelt.
Das ist eine „systemische“ Sicht – aber natürlich gibt es auch die Perspektive der Anwender. Und aus deren Sicht stehen vor allem Zusammenarbeit und Kommunikation im Vordergrund – eine Sichtweise, die vor allem bei jüngeren Mitarbeitern eine immer größere Bedeutung hat. Dementsprechend – so die These des Vortrags von Jochen Rapp – muss eine moderne IT die erforderlichen Voraussetzungen schaffen.
Herr Rapp skizzierte zunächst das Bild einer nahen Zukunft, in der die globale Wissensgesellschaft nicht mehr behauptet, sondern gelebte Realität von vier Milliarden Menschen sein wird. In 5 bis 10 Jahren – so eine der präsentierten Prognosen – werden 80 % des weltweiten Wissens in Echtzeit zur Verfügung stehen. Diese „Echtzeitigkeit“ muss – nicht zuletzt, um keine Nachteile im Wettbewerb zu erleiden – bei den Mitarbeitern moderner Unternehmen „ankommen“ und nutzbar sein.
Neue Herausforderungen, bleibende Verpflichtungen
Herr Rapp verwies auf die Trends, die den Arbeitsplatz – vielmehr eine dem Mitarbeiter folgende Arbeits umgebung – der nahen Zukunft formen werden: Weg vom „einsamen Kämpfer“ am Schreibtisch, hin zu mehr Teamwork – das sich aber ebenfalls nicht mehr auf einen Ort oder einen Zeitrahmen beschränken muss: Gearbeitet wird immer öfter asynchron und verteilt; jedoch unter der Voraussetzung, dass alle Beteiligten „im Bild“ sind.
Die technischen Entwicklungen (Mobilität, steigend Bandbreite) gehen dabei mit den Ansprüchen der Wissensarbeiter Hand in Hand. Unter dieser Prämisse ziehen immer mehr Technologien in Unternehmen ein, die gerne als „Web 2.0“ subsummiert werden: Social Media, Wikis, Foren und verschiedenste Formen von „collective wisdom“. Sie ermöglichen es jedem Einzelnen, aktiv zum Erfolg eines Unternehmens beizutragen.
Aber natürlich bleiben auch in dieser schönen neuen Welt die alte Anforderungen – vor allem in Hinblick Kosten und Sicherheit – bestehen. In Hinblick auf die unvermeidliche Kostendiskussion argumentierte Herr Rapp, dass der Benutzer als größter Teil der Client-Kosten (beinahe 50 %) über alle Studien hinweg und auch über längere Betrachtungszeiträume gleich bleibt – und dass es sich hier eher lohnen würde als bei anderen „Stellschrauben“, nach Ursache und Wirkung zu fragen. Rapps These: Der Anwender ist vergessen worden – er arbeitet grundsätzlich trotz aller Innovationen grundsätzlich so wie vor zwanzig Jahren.
Dabei beweist die Ergonomieforschung, dass zum Beispiel besser gestaltete Benutzeroberflächen die Produktivität und langfristige Zufriedenheit der Mitarbeiter erhöhen können. Auch im Verkauf – so ein Beispiel aus einem konkreten Kundenprojekt – kann eine „schönere“ Oberfläche zu höheren Umsätzen führen; ganz einfach, weil der Mitarbeiter mehr Freude an seiner Arbeit hat.
Maßarbeit für die digital natives
Technologische Entwicklungen, die wiederum oft aus Kostenperspektive betrachtet und vorangetrieben werden (Virtualisierung von Desktops und Applikationen) böten eine neue Chance, der Anwenderperspektive gerecht zu werden. Dabei – so unterstrich der Dozent mehrfach – geht es nicht oder nicht alleine um Technik – erforderlich sind vielmehr organisatorische Lösungen, die eine freie Entfaltung des Anwenders bei der Erfüllung seiner Aufgaben ermöglichen.
Diese Freiheit muss zugelassen werden – denn nur so kann das viel beschworene kollektive Wissen auch tatsächlich geschaffen werden. Es muss seinen Stellenwert bekommen und repräsentiert werden, damit nicht auch in Zukunft wertvolle Daten in verschlossenen Büros ihren Wert verlieren. In diesem Zusammenhang wurden auch Aspekte wie Führung anstelle zentraler Steuerung/Kontrolle und das viel beschworene Denken in Netzwerken anstelle etablierter Hierarchien thematisiert.
Jochen Rapp unterstrich, dass die Arbeitsumgebung der Zukunft kein Fließbandprodukt sein kann, sondern als „Maßarbeit“ den Anforderungen im Unternehmen angepasst werden muss. Dabei müssen einzelne Unternehmensbereiche – vom Einkauf bis zum Marketing – nach sorgfältiger Priorisierung gezielt unterstützt werden. Und gerade, um junge und hoch begabte Mitarbeiter in ein Unternehmen zu holen, müssen die entsprechenden Arbeitsumgebungen rechtzeitig gestaltet werden, bevor der Zug mit den „digital natives“ abfährt.
Abschließend umriss Herr Rapp, wie Lösungen von Microsoft eingesetzt werden können, um diesen Arbeitsplatz der Zukunft zu gestalten: Office 2010, Enterprise Search, Unified Communications mit dem Office Communicator usw.
Da neue Technologien aber gelernt werden müssen, darf der Aspekt der Anwenderschulung nicht außer Acht gelassen werden. Hier verwies er auf Add-ins, die in Software integriert werden können („Mein Lernpfad“, Umstiegshilfen für neue Office-Versionen), dort den Lernerfolg unterstützen und das Helpdesk entlasten.
Jochen Rapp
Jochen Rapp ist Practice Leader Workplace Solution bei der Computacenter AG & Co. oHG. Er studierte Maschinenbau an der Universität Stuttgart und am Georgia Institute of Technology in Atlanta. Schwerpunkte seines Studiums waren unter anderem bildgebende Verfahren in der Medizin und numerische Strömungssimulationen im Bereich der chemischen Verfahrenstechnik.
Direkt nach dem Studium startete er bei Computacenter (damals CompuNet) als Trainee zum Systemberater. Von Anfang an beschäftigte er sich mit der Planung und Integration von Client-Server-Infrastrukturen. In diesem sehr stark von Microsoft geprägten Umfeld verlagerte er in den letzten Jahren seine Arbeiten auf die Beratung von langfristig ausgerichteten Client-Server Lösungen; zuletzt als Practice Leader Workplace Solutions mit dem Fokus auf flexible und effiziente Arbeitsplatzumgebungen in Großunternehmen.