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Cloud Computing bei der Festo AG
19.4.2010 – 09:45 bis 10:30 Uhr – Raum Brighton
Sprecher: Dr. Lutz Seidenfaden / Festo AG & Co. KG (mbuf-Mitglied)
Kaum ein Thema in der Informationstechnologie erfährt derzeit so viel Aufmerksamkeit wie „Cloud Computing“. Da die IT-Budgets weiter unter Druck stehen und darüber hinaus immer wieder neue Businessanforderungen formuliert werden, stehen IT-Verantwortliche vor der undankbaren Aufgabe, unter den zahlreichen Angeboten für „Cloud“-Lösungen jene zu identifizieren, die eine nachhaltige Optimierung der IT-Services versprechen.
Dabei ist oft unklar, was genau sich hinter dem Begriff „Cloud Computing“ verbirgt, welche Vorteile die beworbenen Angebote schlussendlich bringen und wie diese unter Berücksichtigung von Sicherheits- und Businessanforderungen sinnvoll in die IT-Landschaft integriert werden können.
In seinem gut verständlichen und strukturierten Vortrag stellte Dr. Lutz Seidenfaden zunächst einmal seinen Arbeitgeber Festo vor und lichtete dann das Dickicht um den schillernden Begriff „Cloud Computing“, der ja konzeptionell in der Folge der etablierteren Kategorien Application Service Providing, Grid Computing und Software as a service steht. Anschließend stellte er den etablierten Anbietern und Lösungen auf Infrastruktur-, Plattform-, Anwendungs- und Prozessebene die ausgewählte Cloud-Pendants von Microsoft und anderen Anbietern entgegen.
Nüchterner Blick in die Wolke
Als „reality check“ empfand wahrscheinlich mehr als ein Zuhörer die Einordnung von Cloud Computing im „Hype Cycle“ als einer Technologie, die sich gerade auf dem Gipfel überhöhter Erwartungen befindet und den langen Weg zur uneingeschränkten Praxistauglichkeit noch vor sich hat: „CloudComputing“, so die nüchterne Einschätzung des Dozenten, „ist in 2 –5 Jahren marktreif.“
Gleichwohl lohnt es sich, bereits heute außerhalb geschäftskritischer Anwendungen mit den Möglichkeiten der Technologie zu experimentieren und ihre Versprechen – insbesondere die Kostenreduktion durch „Pay by use“ statt dem teuren „Provisioning for Peak“ – unter die Lupe zu nehmen. Bei nüchterner Betrachtung stellt sich heraus, dass Cloud Computing nicht in jedem Szenario günstiger als ein optimal eingestelltes eigenes Rechenzentrum ist, wie Dr. Seidenfaden anhand eines Vergleichs der Amazon EC2-Dienste mit einem internen Rechenzentrum herleitete.
Im Hauptteil seines Vortrags zeigte Dr. Seidenfaden, wofür Cloud Computing genutzt werden kann und welche ökonomischen und sicherheitstechnischen Vor- und Nachteile sich auf Infrastrukur-, Plattform- und Software-Ebene ergeben.
IT-Leiter ohne eigene IT?
„In weniger als zehn Jahren werden viele Unternehmen ohne hausinterne IT und Rechenzentren auskommen.“ – mit dieser provokanten These des Bitkom-Präsidenten August-Wilhelm Scheer konnte sich der Dozent der Aufmerksamkeit der zuhörenden IT-Verantwortlichen sicher sein. Mag dies nun tatsächlich so kommen oder nicht: Die Rolle der IT wandelt sich vom bloßen Anbieten und der „handwerklichen“ Umsetzung hin zur (technischen) Prozessberatung.
Vor diesem Hintergrund stellte Dr. Seidenfaden abschließend den konkreten Entwicklungsstand beim Einsatz von Cloud-Technologien sowie die Evaluierungskriterien („make or buy“) bei Festo vor – und schloss mit dem Ausblick auf Szenarien, in denen ein Unternehmen eines Tages auch die geschäftskritischen Kernanwendungen einem Cloud-Anbieter anvertrauen mag. Die Technologie – so sein Fazit – ist ernst zu nehmen, aber bis zu ihrer vollständigen Marktreife wird es noch ein paar Jahre dauern: Zeit, die sich zweifellos nutzen lässt, um technische, aber auch rechtliche Fragen zu lösen.
Dr. Lutz Seidenfaden
Lutz Seidenfaden studierte und promovierte im Bereich Wirtschaftsinformatik an der Georg August Universität Göttingen. Seit 2007 ist er als Assistent des Vorstands „Information Systems and Processes“ bei der Festo AG & Co. KG mit Thema „Cloud Computing“ und dessen strategischer Bewertung befasst. Seit Anfang 2010 ist er verantwortlich für die in der Produktion eingesetzten non-SAP IT-Systeme der Festo AG & Co. KG.