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Hier finden Sie archivierte Fotos und Digests der Vorträge vom Jahreskongress 2010.
Windows 7 in einer Virtual Desktop Infrastructure
19.4.2010 – 13:30 bis 14:15 Uhr – Raum Brighton
Dozenten:
Robert Mayer / Fujitsu Technology Solutions GmbH (mbuf-Mitglied) &
Michael Flum / cellent AG (Microsoft Partner)
Bereits im Jahr 2009 hatte Robert Mayer die Teilnehmer des Jahreskongresses mit einem profunden Vortrag zur Green IT bei Fujitsu überzeugt. Insofern rechneten die Teilnehmer auch in diesem Jahr mit „news you can use“ – und wurden nicht enttäuscht.
Virtualisierung ist eines der großen Themen der Business IT, und virtuelle Infrastrukturen finden sich heute in jedem Rechenzentrum. Dabei lag der Schwerpunkt allerdings bisher mehrheitlich auf Netzwerk-, Speicher- und Server-Virtualisierung. Die Virtualisierung kompletter Arbeitsplätze bietet neue Ansätze, die Effizienz im IT Betrieb weiter zu steigern – und in vielen Fällen den Nutzen für Anwender zu erhöhen.
Im Erfahrungsbericht der Fujitsu Technology Solutions stellten Robert Mayer von der Fujitsu Technology Solutions GmbH und Michael Flum von der cellent AG die kritischen Erfolgsfaktoren bei der Einführung virtueller Desktops in dynamischen Infrastrukturen dar.
Michael Flum eröffnete mit einem programmatischen „Willkommen in der neuen Welt“ – denn Desktop-Virtualisierung wird gerne als Revolution „verkauft“. Der umfassende und komplexe Vortrag zu den technischen, aber auch lizenzrechtlichen Dimensionen der Virtualisierung stellte diesen Anspruch der Realität gegenüber.
Tatsächlich – so Flum – ist die neue Welt gar nicht so neu: Zugriff von jedem Ort, zu jeder Zeit und über möglichst jedes Gerät lauten die bekannten Ansprüche. Gleichzeitig muss die bereitstellende IT natürlich auch in der neuen, verteilten Welt Ansprüchen wie Compliance und Sicherheit gerecht werden.
Blueprints für effizientere Desktop-Bereitstellung
In Bezug auf das aktuelle Über-Thema Cloud Computing stellte Flum die Frage: Welche „Blueprints“ bietet die Cloud für die Informationstechnologie in Hinblick auf Effizienzsteigerung? Denn da sich das Marktvolumen für Cloud Computing in den nächsten Jahren vervielfachen dürfte, bleibt eine Auseinandersetzung mit den entsprechenden Angeboten ohnehin kaum einem IT-Verantwortlichen erspart. Auch hier geht es natürlich darum, keine Wettbewerbsvorteile zu verschenken.
Flum griff die Klassifizierung Software / Platform / Infrastructure as a service auf und ordnete Desktop-Virtualisierung in diesem Modell der Infrastruktur zu.
Während nun die klassische Infrastruktur-Virtualisierung (Server, Storage, Network) bereits voranschreitet, sieht es beim Desktop (Virtualisierung von Anwendungen, Profilen, Präsentationsebene) in vielen Unternehmen noch ganz anders aus.
Flum unterstrich, dass es bei der Desktop-Virtualisierung nicht damit getan ist, einen Arbeitsplatz zu virtualisieren und zentral bereitzustellen – auf diese Weise sei wenig zu gewinnen. Vielmehr müssten die erforderlichen Anwendungen und deren Einstellungen beachtet werden.
Dem klassischen, seit gut 15 Jahren etablierten Modell des Betriebssystem-Rollouts („Windows 7, Office 2010 und etwas System-Management“) stellte Flum die konsequente Desktop-Virtualisierung als Alternative zur Bereitstellung optimaler Arbeitsumgebungen gegenüber.
Vom Standard-Image zur personalisierten Arbeitsumgebung
Ziel-Senario ist hier ein auf möglichst jedem Endgerät verfügbarer, zentral bereitgestellter Desktop. Der Weg dorthin führt über eine Entkopplung der Hardware vom Betriebssystem. Ausgangsbasis ist dabei ein zentrales Standard-Image („Golden Image“), das zwar grundsätzlich möglichst vielen Anwendern zur Verfügung gestellt werden soll, jedoch bedarfsweise um Anwendungen und Einstellungen ergänzt werden kann.
Die Vorteile dieses Modells, so Flum weiter, sind heute vor allem bei temporären Arbeitsplätzen, Gast-Mitarbeitern im Unternehmen und nicht gemanagten Heimarbeitsplätzen zu realisieren: Hier kann der benötigte Desktop mit geringem Aufwand bedarfsgerecht zur Verfügung gestellt (und natürlich auch wieder zurückgezogen) werden. Nahe liegende Vorteile dieser Entkopplung von der jeweiligen Zielhardware sind Zuverlässigkeit und entsprechend niedrigere Kosten.
An dieser Stelle übergab Herr Flum an Herrn Mayer von Fujitsu, der die vorgestellten, allgemeinen Überlegungen in die konkrete Umsetzung bei Fujitsu übertrug. Besonderes Gewicht erhielt dieser Teil des Vortrags natürlich dadurch, dass das Großunternehmen Fujitsu Technology Solutions Anwender, aber eben auch Anbieter von Managed Workplace-Lösungen ist.
Die Dynamic Infrastructure als Grundlage der Desktop-Virtualisierung
Robert Mayer, der bei Fujitsu sowohl für den Datacenter-Bereich als auch die Workplace Services verantwortlich ist, konnte den Zuhörern das komplexe Thema somit aus einer umfassenden Perspektive näher bringen.
Mayer verwies auf die inherente Verflechtung beider Bereiche: „Wenn Sie am Kabel so eines virtuellen Desktops ziehen, kommt eine Menge Datacenter zum Vorschein“. Die komplette Netzwerkschicht muss also auch beleuchtet werden, und die Infrastruktur muss dynamisch sein, damit virtuelle Desktops bereitgestellt werden können.
Ausgehend von der Notwendigkeit, Windows 7 und darauf basierende Anwendungen unternehmensweit möglichst effizient bereitzustellen, stellte Mayer das „big picture“ der dynamischen Infrastruktur (und die Pendants auf Clientseite) bei Fujitsu vor. Hier vollzeiht sich – vergleichbar mit Microsoft – eine Entwicklung vom reinen Software- beziehungsweise Hardware-Anbieter zu „Software plus Service“.
Im Sinne der amerikanischen Maxime „Eat your own dog food“ (von Mayer lokalisiert zu „Wir trinken Wein aus eigenen Schläuchen“) müssen alle entsprechenden Lösungen erst bei Fujitsu in der erforderlichen Qualität laufen, bevor das Unternehmen sie auf den Markt bringt.
Unter dieser Prämisse schilderte die Entwicklung von ersten proof of concept-Projekten bei Fujitsu hin zum Managed Virtual Workplace und dem Ziel, den virtuellen Desktop als solchen anbieten zu können.
Hier stellt sich natürlich schnell die Frage, ob es eine „One-size-fits“-Lösung gibt oder geben kann. Diesem Ansatz wurde eine Absage erteilt: Es bleibt zunächst bei hybriden Lösungen für verschiedene Gegebenheiten.
Der well managed PC hat noch Bleiberecht
Anschließend stellte er fünf verschiedene, gemeinsam mit Cellent definierte Use Cases vor, die klassische Benutzertypen, deren Anforderungen und die entsprechenden Lösungswege definieren.
Hier bleiben zwei „Bastionen“ des traditionellen „well managed PC“ zunächst außerhalb der Virtualisierungsbestrebungen: der Mobile Worker (da die Offline-Funktionalität von VDI heute noch nicht das erforderliche Niveau hat) und der Power User mit den hohen Anforderungen an Rechenleistung und Personalisierung.
Traditionellen Office Workern und externen, temporär einzubindenden Anwendern (beispielsweise Geschäftspartnern) hingegen kann VDI schon heute die erforderlichen Voraussetzungen bieten. Und auch die so genannten Task Worker können mit entsprechenden Thin Clients – beispielsweise für die SAP-Arbeit – in der Regel problemlos versorgt werden.
Die Frage ist nun, wie die hier definierten Arbeitsplatztypen und deren Anforderungen durch Cloud-basierte Services unterstützt werden können. Und da zumindest hier und heute Microsoft den „Workplace aus der Cloud“ nicht anbietet, hat Fujitsu eben dieses Angebot selber realisiert.
Technisch machbar, lizenzrechtlich in der Schwebe
Der Pferdefuß des dargestellten Szenarios ist dabei kein technischer, sondern ein lizenzrechtlicher, da Microsoft – so Mayer – diese „Shared“-Variante lizensseitig nicht unterstützt – ein Umstand, der sich jedoch in absehbarer Zeit ändern könnte: „Ich glaube, der Workplace wird auch bei Microsoft früher oder später in die Cloud kommen“.
Im weiteren Verlauf des Vortrags erörterte Mayer die kritischen Erfolgsfaktoren für VDI – von der Management-Strategie über Anwenderakzeptanz und Hardware-Voraussetzungen bis zu den erforderlichen Skills und Ressourcen im Unternehmen. Er stellte die Workplace-Evolution bei Fujitsu von der ersten, Windows 2000-basierten Variante bis zum heutigen Stand unter Windows 7 vor, der sich wiederum für eine Kopplung mit einer VDI-Infrastruktur anbot. Diesen letzten Stand und die avisierte Weiterentwicklung verordnete Mayer dann im Gartner Maturity-Modell.
Den mittlerweile erreichten Stand für den Fujitsu-Client in den Ausprägungen now2virtual/now2win7 konnte auch das Risk and Health Assessment Program for Windows Desktop die erforderliche Robustheit bescheinigen: „[…] are in a very good state and meet the overall Microsoft recommendations.“. Die positive Einschätzung durch die Endanwender, so Mayer, bestätigte diese Bewertung.
Mayer stellte dann die Überlegungen und Kriterien vor, die zur konkreten technischen Infrastruktur und Integration der VDI bei Fujitsu führten und gab einen Ausblick auf die Entwicklung für die kommenden Jahre – vorhersehbar mit einem steigenden Marktanteil für den virtuellen Desktop.
„Dummes“ Terminal, ganz smart
Von der konkreten Bereitstellung via Hypervisor und Connection Broker schlug Mayer dann den Bogen zu einer bei Fujitsu entwickelten, speziellen Client-Variante, dem Zero Client. Dies ist ein Endgerät, das ohne Festplatte, Betriebssystem und Applikationen auskommt, sondern als „dummes Terminal“ – auf Grundlage einer Hardware von Pano Logic – lediglich die erforderlichen Anschlüsse bereitstellt und (dies ist der Clou für einen kostenbewussten Kunden) nicht nur Daten und Anwendungen, sondern auch den zum Betrieb erforderlichen Strom (auch für den Monitor) über Ethernet bezieht.
Bei Gerätekosten, die gerade einmal 50 % eines traditionellen PCs betragen und Betriebskosten von etwa 15W (inklusive Monitor) schloss sich damit auch der Kreis zum Thema Energieeffizienz aus dem letztjährigen Vortrag von Herrn Mayer.
Ein Ausblick auf ein großen Fujitsu-Kunden und die dort geplante Entwicklung in Richtung BPOS/VDI bis zum Jahr 2017 zeigte auf, dass und wie der virtuelle Desktop in Unternehmen ankommt – und dass diese Entwicklung bereits begonnen hat.
Robert Mayer schloss mit einem Appell an Microsoft, Workplace as a service nicht nur technisch, sondern auch lizenzrechtlich möglich zu machen.
In der anschließenden Diskussion wurden unter anderem die verschiedenen Virtualisierungslösungen von Citrix, CMWare und Microsoft, die höheren Serveranforderungen bei einer steigenden Anzahl angepasster („assigned“) Clients sowie die Kosteneinsparungspotenziale im VDI-Bereich erörtert.
Robert Mayer
Nach dem Studium der Diplom-Wirtschaftsmathematik an der Universität Augsburg war Robert Mayer in verschiedenen IT-Management-Funktionen bei der Siemens Nixdorf AG, Siemens AG und Fujitsu Siemens Computers GmbH tätig. Dabei hatte er unter anderem auch beratende Funktionen inne im Bereich License, Security und Service Management, aber auch im Bereich des Business Process Re-Engineering. Derzeit ist er als IT-Director bei der Fujitsu Technology Solutions GmbH in der Abteilung Service Operations, Infrastructure Operations unternehmensweit verantwortlich für Solution Design, Workplace Services und Corporate Data Centres. Darüber hinaus ist Robert Mayer aktives Mitglied im Mathematisch-Physikalischen Verein der Universität Augsburg e.V.
Mit Microsoft verbindet Fujitsu eine langjährige Partnerschaft als Global Account, OEM- und Gold-Partner. In dieser strategischen Partnerschaft versucht Robert Mayer stets, die „Kunst, voraus zu sein“ zu leben – und zwar sowohl im Client- als auch im Server-Bereich.
Michael Flum
Michael Flum verfügt über mehr als 20 Jahre Erfahrung in der Informationstechnologie. Nach einer kaufmännischen Ausbildung war er zunächst als Organisationsprogrammierer tätig und wechselte 1994 zu einem Microsoft-Partnerunternehmen. Bevor er im Jahr 2000 in den Vorstand bestellt wurde, war er als Managing Consultant in der Beratung und Einführung von Microsoft-basierten IT-Infrastrukturen bei mittleren und großen Unternehmen tätig. Seit 2004 ist Michael Flum als Mitglied der Geschäftsleitung bei der cellent AG für das operative Geschäft an zwei von neun Standorten sowie die Entwicklung des Geschäftsbereichs Infrastructure Solutions verantwortlich.